A U F E R S T E H U N G   -  E I N  S C H Ö N E S  W O R T 

Wir reden davon, wenn wir einen lieben Verstorbenen verabschieden: „Wir erwarten die Auferstehung der Toten. Dann werden wir uns wiedersehen.“

Wir kennen aber auch Auferstehungserfahrungen, die jetzt schon im Leben geschehen:
  • Eine junge Frau, vom Leben enttäuscht, den Drogen verfallen, sich selbst verkauft und vom Leben verschmäht, fasst durch ein Wort der Zuneigung wieder neuen Mut, bringt ihr Leben mithilfe eines liebenden Menschen wieder in Ordnung. Sie beginnt ein neues Leben – „Auferstehung“.
  • Ein Mann wird bei einem Autounfall schwer verletzt, bleibt schwer behindert, verliert seine Arbeitsstelle und fällt in ein tiefes Loch der Hoffnungslosigkeit. Ein Freund rät ihm, sein Leid durch Schreiben von Erzählungen zu verarbeiten. Er wird ein erfolgreicher Schriftsteller – „Auferstehung“.
  • Bei einem Familienvater wird Krebs diagnostiziert. Ein verzweifelter Kampf beginnt, Bestrahlung, Chemotherapie und Operationen. Nach langen Jahren, in der die Familie alle ihre Kraft zusammen nehmen muss, wird er schließlich als geheilt dem Leben zurückgegeben – „Auferstehung“
Alles das sind sehr wohl „Bilder von Auferstehung“, die anrühren und ermutigen. Sie geben uns einen „Vorgeschmack“ auf die Herrlichkeit, die uns verheißen ist – nicht erst in ferner Zukunft, sondern heute schon.
 
Aber: Alles das ist nicht die Auferstehung, die wir feiern. Auferstehung, in der nichts anderes geschieht, als dass dieses vergängliche Leben noch eine Fristverlängerung bekommt. Eine neue Hoffnung, ähnlich wie bei der Auferweckung des Lazarus. Jedoch ist es nicht das, was wir an Ostern feiern.
 
Auferstehung – das heißt vielmehr, die Wirklichkeit dieser Welt hinter sich zu lassen und in einer neuen – göttlichen – Wirklichkeit leben. Auferstehung – das meint, in den Raum der Kirche einzutreten, mit ihr ein Leib zu werden – Leib Christi. Nicht ohne Grund ist die Nacht der Auferstehung – die Osternacht – die Nacht der Taufen. Wer mit der Taufe Teil der Kirche wird, dem wird Auferstehung und ewiges Leben geschenkt. 
 
Wer „Auferstehung“ so wie in den oben genannten Beispielen erlebt, ist glücklich zu preisen – gewinnt aber nur ein Leben zurück, das immer noch in der Angst vor einem neuen Schicksalsschlag lebt. Wirkliche Auferstehung heißt, den Tod nicht mehr zu fürchten. In einem Osterlied (GL Nr. 336) heißt es: Jesus lebt, mit ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken . . .
 
Auferstehung heißt vor allem, dass wir ein anderes Leben führen, nicht mehr dem Mammon dienen, sondern Gott: Dass wir beten, den Sonntag feiern, aus den Sakramenten leben und den Nächsten lieben können. Dass wir uns in Gott freuen; die Osterfreude verspüren und teilen, mitteilen!

Der Ruf, der die Welt durcheilt, ist nicht der Ruf „Wir sind das Volk“ oder „Erkenne Dich selbst“ oder „Denke positiv!“ – sondern allein: „Jesus Christus ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!“ 
 
Möge die Freude über die Auferstehung des Herrn uns alle erfüllen! Frohe Ostern!
 
 
Ihr Pfarrer
Aleksander Gajewski
 
 
Glocke